Hunde "von den Kumutschen"
Komondor und Kaukasischer Owtscharka

akt. 20.03.2002
... unser jetziges "Hundeleben":

Unsere beiden Kaukasen-Hündinnen - Mázsa und Sóska - haben wir vor vier Jahren im Alter von 8 Wochen aus Ungarn geholt. Zwei ältere Hündinnen - Armida (Kaukase) und Benedikta (Komondor) - lebten bereits viele Jahre bei uns. Als wir mit den Welpen zu Hause ankamen, fanden sie sich in der Gesellschaft dieser beiden Hündinnen, die den Nachwuchs sehr freundlich aufnahmen. Die beiden Welpen wuchsen regelrecht als Doppelpack auf: Sie liefen nebeneinander zur Tür hinaus und kamen nebeneinander wieder zurück. Alles wurde gemeinsam erledigt.
... zu zweit in der Hängematte

Leider sind beide Alt-Hündinnen zwei Jahre später gestorben, so daß die beiden Teenies danach ohne "Obrigkeit" waren. Diesen Fall hatten wir noch nie; früher war immer eine ältere Hündin als natürlicher Boss da. Also kam, was kommen mußte: Bei Mázsas letzter Hitze erhob sich die "Machtfrage". Beide knurrten sich wiederholt aus tiefster Seele und in tiefster Tonlage an und fielen mitunter auch übereinander her. Das wirkte schon sehr bedrohlich. Es kam zwar zu keinen ernsthaften Verletzungen, zu kleineren Wunden aber durchaus. Ein interessanter Aspekt dabei war, daß die Streittanten - wenn man bei einer solchen Auseinandersetzung völlig unbeteiligt an einer vorbei ging - sie einem mit angedeutetem Schwanzwedeln einen kurzen Blick zuwarfen; sozusagen als Blitzmeldung: Dich meine ich ja gar nicht. Aber in solchen Situationen sind Hunde bekanntlich ja nicht ansprechbar; was also tun? Wir entschlossen uns zu folgendem Verhalten:

... zu zweit am Teich
Einerseits das Gegröle konsequent ignorieren - bewirken könnte man ohnehin nichts, als höchstens das eigene Ansehen bei den Hunden untergraben, weil die Hunde die Erfahrung machen würden, daß es auch ohne Kooperation mit den Menschen geht. Auch ein Alphatier würde sich in solche Streitigkeiten in seiner Meute nicht einmischen.
Andererseits die eingefahrenen Prozeduren des Zusammenlebens ebenso konsequent einhalten. Also: füttern wie immer - beide Hunde auf dem Balkon. Wird dabei gegrölt, ist das Futter wieder weg. Sie haben zweimal beim Füttern gegrölt. Und: die abendlichen geräucherten Rinderohren auch nur am angestammten Platz im Eßzimmer. Am ersten Abend waren die Leckerlis auch weg, am zweiten dann beinahe - denn plötzlich saßen beide friedlich auf ihrem Leckerliplatz; und so blieb es dann fortan auch.
Das alles spielte sich vor ein paar Wochen ab.

Die Prozedur hat gewirkt - jedenfalls besser, als wenn wir versucht hätten, die beiden um ihre Dominanz streitenden Hündinnen jeweils erfolglos trennen zu wollen. Das Kriegsgeschrei wurde zusehends zahmer und die bedrohlich wirkenden Dominanz-Kämpfe hörten fast schlagartig auf. Inzwischen haben sie sich seit vielen Tagen nicht mehr angeknurrt - ja sie spielen sogar wieder immer öfter zusammen wie in "alten Zeiten".
Außerdem sind zwei Dinge auffallend: Einerseits sind sie ihren Menschen gegenüber noch verschmuster geworden. Andererseits respektieren sie verstärkt eine gegenseitige Privatsphäre, das heißt, sie liegen zwar oftmals friedlich irgendwo nebeneinander herum, aber jede vermeidet es, der anderen ohne weiteres an der Schnauze vorbeizulaufen.
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Dabei haben sich skurrile Rituale herausgebildet: Beim Holen der Futternäpfe vom Balkon läuft Mázsa mit hinaus, Sóska wartet in der Küche und kommt erst dann mit, wenn die fertigen Näpfe serviert werden. Geht es dann anschließend aber zum Pieschern nach draußen, so hat Sóska den Vortritt; ist versehentlich mal die andere vorn, so wartet sie auf dem Treppenabsatz, bis Sóska an der Haustür ist.

Nun ist dies alles gewiß kein Kochrezept, das immer funktioniert. Falls sich zwei Hündinnen erst einmal richtig ineinander verbissen haben, ist wohl nicht mehr zu erwarten, daß sie sich je wieder vertragen werden. Daß es bei uns - bis jetzt - glimpflich abgegangen ist, liegt möglicherweise auch daran, daß beide von klein auf ihre "Kämpfe" spielerisch eingeübt haben und damit ihre gegenseitigen Kampftechniken genau kennen, so daß dadurch vielleicht schwerere Verletzungen vermieden wurden.

Wenn es aber überhaupt einen Weg gibt, die Anfänge von Dominanzauseinandersetzungen rechtzeitig zu kanalisieren, dann wohl nur diesen. Durch Ansprechen oder Anbrüllen während einer Auseinandersetzung würden beide Hunde sich nur bestärkt fühlen, und ein generelles Getrennthalten ihre gegenseitige Aggression nur verstärken.
Sohn des Rüden Alex von Herrn Mihály Zováth, Hajdúdorog